Diesen Text habe ich anlässlich der Veranstaltung

"Art against racism"verfasst.

 

„Im Gespräch"

 

A: Haben Sie heute gelesen?

 

B: Was?

 

A: Was, „was “? Ja lesen Sie nicht mehr? Informieren Sie sich nicht mehr?

 

B: Lesen schon. Zur Unterhaltung. Lesen, um mich informieren zu können, das hat sich doch längst aufgehört.

 

A: Ja und wie wollen sie in Zukunft mitreden können, sich einbringen, Stellung beziehen ? Mir antworten können?

 

B: Keine Sorge. Ich werde weiterhin Stellung beziehen. Mit ihnen weiterhin das Gespräch suchen und führen. 

Fraglich ist nur, ob sie künftig in der Lage sein werden, mir geistig folgen zu können. 

Ich sag Ihnen: Was sie in Ihrer Echokammer beziehen – aus Print und online, wird bei mir - in Zukunft, nicht mehr nachhallen. Ich habe eine neue Haltung eingenommen. Mich Informieren und letztlich die Inhalte reflektieren. 

 

A: Sie stellen sich also gedanklich, wie intellektuell, auf eigene Füße. Mutig! 

 

B: Jetzt sagen sie schon. Über welches Wissen sollte ich verfügen? Was ist mir entgangen?  

 

A: Naja, geschrieben wurde, dass sie 14 Afghanen abgeschoben haben. Lesen und informieren eben.

 

B: Ja, tragisch! Jetzt werden sich die Jugendlichen in Zukunft neu orientieren müssen. Auch, was eine Weiterführung ihrer Lehre betrifft. 

 

A: Ich verstehe sie nicht. Doch jetzt nicht mehr! Integration steht doch synonym für Neuorientierung. 

Jetzt, wo die jungen Menschen wieder zuhause sind, haben sie es leichter, denke ich. 

 

B: Denken Sie. Meint ihre Echokammer. Böse wäre, wenn ich behaupten würde, in einem leeren Kopf hallt es sich leichter. Quasi barrierefrei. Weil frei von störendem Verstand. Sie schlucken alles unreflektiert, mit großen Ohren, was ihnen einheitsbreimäßig vorgekaut wird. 

 

A: Ich überhöre, oder sollte ich besser sagen, ich verdaue ihre anatomischen Fehleinschätzungen und erinnere sie gern daran, dass sie es waren, der menschliches vermissen ließ.

 

B: Was ich damals vermissen ließ? Sie haben recht. Da sie jetzt scheinbar in meiner biographischen Vergangenheit kramen, um mir meine Fehler vorhalten zu können, klammern sie offensichtlich ganz bewusst aus, dass dieses ideologisch-idiotische Weltbild, heute ganz legitim von der türkis-blauen Regierung gelebt wird.

 

Früher war gestern! Blick ich heute nach Sachsen, kommen mir vergangene Bilder in den Sinn – Parallelen, die mich schaudern lassen. Mir Angst machen. Teile der Gesellschaft, die sich rassistisch gebärden. Die Demokratie in Geiselhaft, Menschen im geistigen Mittelalter. 

Ewig gestrige, in einer Gegenwart, die…

 

A: Ihr neu gewonnener Humanismus in allen Ehren. Was in Chemnitz passiert ist… …ist tragisch.

Kommen wir aber zurück nach Österreich. Es ist doch wohl legitim, wenn der Staat seine heimische Jugend fördert und präferiert. Und um sein Ziel zu erreichen, Jugendliche Asylwerber*innen zurückbefördert. So den heimischen Arbeitsmarkt entlastet, um ihn letztlich mit heimischen Jugendlichen besetzen zu können. 

 

B: Dreimal „heimisch“ Mir wird bei Ihrer Argumentationslinie ganz unheimisch… unheimlich zu mute. 

 

A: Werfen sie mir durch die Blume nationalistisches Verhalten vor? Das war doch ihr bevorzugtes Gedankengut?

 

B: Vielleicht früher. Aber kommen sie mir bitte nicht mit „Gedankengut“. Ein Nomen wie viele und doch, scheint mir dieses Substantiv mehr als negativ belastet zu sein. 

Gedankengut“?

 

A: Wie auch immer. Ich habe unseren Politikerinnen und Politikern zu vertrauen. Und was Reflektion anbelangt, vertraue ich darauf, dass unsere politischen Vertreterinnen und Vertreter, diesen Prozess, bei der gedanklichen Auseinandersetzung mit geleistet haben. 

Für das wählen wir sie ja.   

 

B: Sie wählen, damit sie nicht mehr denken müssen. Das nenne ich auch mutig! 

Dieses Urvertrauen, dass sie in ihre – ich sage bewusst ihre – es sind nicht meine politischen EntscheidungsträgerInnen, haben, ist meines Erachtens brandgefährlich.

 

A: Dumm der, der demokratischen Prozessen vertraut, behaupten sie und lassen den Umkehrschluss zu, dass Meinungen aus Sex, Drugs & Rock‘n Roll, mehr politische Relevanz haben. 

 

B: Wenn Künstlerinnen und Künstler Stellung beziehen – wie aktuell in Deutschland, hat das natürlich Relevanz. 

 

A: Vermutlich sind dort die gleichen Chaoten vertreten, die voriges Jahr Teile der Hansestadt in Flammen aufgehen haben lassen – das war brandgefährlich!

Ihre ach so humane Basis. 

 

B: Menschen kommen zusammen, weil gegen Menschen Gewalt ausgeübt und Hass geschürt wird. Menschen gehen für Menschen auf die Straße. Menschen gehen gegen ökonomische Schikanen und für Menschlichkeit auf die Straße. Menschen kommen gegen diese perfide Menschenjagd zusammen.

Zitat: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte“ …

 

A: Sie haben hoffentlich nicht vergessen, was der Auslöser dieser Proteste war. Aber da sie ja nicht mehr lesen

B: Kinder wissen, was sie an Menschen mögen und was nicht. Kindern, sind Verhalten fremd, anders aussehende Menschen, eben aufgrund ihres Aussehens, als fremd zu sehen. 

 

A: Ich darf annehmen, dass sie es wissen, mir aber nicht antworten wollen.

 

B: Ich weiß was ein Protest ist und ich weiß, was ein Verbrechen ist. Was in unserem Nachbarland passiert, ist ein kollektives Verbrechen. Das weiß ich! 

 

A: …dem ein abscheuliches Verbrechen vorausgegangen ist. 

 

B: Ein Mensch wurde getötet und das macht mich traurig. Ein Mensch wurde getötet, und tausende selbsternannte Richter und Henker fühlen sich dazu berufen, Verbrechen zu begehen. Auch das weiß ich. Das Furchtbare dabei ist, dass die Menschen, die sich dort zusammenrotten, es als ihr politisch legitimiertes Recht ansehen, gewaltbereit und rassistisch zu agieren.    

 

A: Ihre Haltung, alle Menschen, welche für ihre nationale und kulturelle Identität auf die Straße gehen, als Rassisten zu bezeichnen, …gar als Verbrecher…

 

B: Rassismus ist ein Verbrechen! 

Sie sollten sich besser fragen, wer diese Saat ausgebracht hat. Gewisse PolitikerInnen haben ihre Gründe, warum sie gegenüber Schutzbedürftigen, eine so restriktive Haltung einnehmen. 

Früh wurden sie in Verbindungshäusern ideologisch dahingehend gefestigt, dass alles was nicht wie Sie ist, fremd ist. Und was fremd ist, muss weg. Diese rassistische Saat ist in Deutschland folgenschwer aufgegangen. 

 

A: Ihre falsch verstandene Empathie für illegal eingewanderte Menschen, die bei uns kein Recht auf einen Aufenthaltstitel haben, führt erst recht zu einer Aushebelung des Rechtsstaats.

 

B: Führt Menschen zurück in Gefahr. Bringt Menschen dorthin zurück, wo sie nicht mehr sicher sein können. 

 

A: Bringt Afghanen, die unsere Gesetzte missachten, nach Afghanistan zurück. Wohl völlig legitim.

 

B: Denken sie, das Ihnen die Lehrzeit, die Sie schon in heimischen Betrieben absolviert haben, in Afghanistan angerechnet wird? 

Ich habe einmal gelesen, Daheim ist dort, wo der Schlüssel passt. Ins Bild passen würde jetzt auch die Tür, die in handlichen Splittern, in Kabul am Boden liegt.

Was noch drunter liegt… 

Begraben sind alle Zukunftsperspektiven. 

Begraben liegen Herz, Hand und Hirn...

 

A: Es steht zwischen den Zeilen geschrieben, ihre Rückführung war ethisch vertretbar, weil ihnen in Afghanistan keine Gefahr droht. 

 

B: Nach all den Integrations- und Ethikkursen und natürlich der Vermittlung unserer europäischen Werte, ist den jungen Menschen wohl auch bewusst, wann etwas ethisch vertretbar ist und wann nicht. Hier beißt sich doch die Katze in den Schwanz. Oder? 

 

A: Moralisch ja, pragmatisch… gesetzlich… Wir schaffen das vielleicht nicht, darf auch einmal gesagt sein.

 

B: Sie, schafft es nicht! Muss gesagt sein. Und das Handeln ihres Versagens färbt ab. Ich unterstelle der Europäischen Union, unethische Einflussnahme, auf Ihre Mitgliedsstaaten. Direkt oder indirekt, stülpt sie ihr humanitäres Versagen über die anderen Länder drüber und sorgt so für verstörende Einigkeit. 

Hält den rechten Kurs bestimmter Nationen aufrecht. 

Ihre Werte, die sie großspurig ausgibt, sind menschlich gesehen keinen einzigen Cent wert. 

 

Wenn ich ein Kinderweinen wahrnehme, dort wo ich mich gerade aufhalte, halte ich inne, und sehe mich um, ob jemand meine Hilfe braucht. Wenn im Mittelmeer ein Kind vor Angst und Hunger schreit. Sich seine kleinen Lungen mit Panik füllen… Später mit Meerwasser… 

Auf Kosten dieser Geschlossenheit ersaufen Menschen im Meer.

Ich schäme mich für alle Menschen, die für diese Ausgrenzungspolitik stehen, und für alle Staaten, die sich künftig unter blauer und goldbesternter Flagge wiederfinden wollen, um unmoralisch gleichgeschaltet agieren zu können. Früh üben sich die künftigen Beitrittsstaaten, in unsolidarischem Handeln. 

Üben sich in kontinentaler Abschottung. 

 

A: Sie breiten ihre zugespitzten Behauptungen vor mir aus. Füllen sie mit tragischen Bildern. Unterstellen mir indirekt eine Mitschuld. So fühlt es sich für mich gerade an. Was kann oder soll ich ihnen hier entgegenhalten?

 

B: Was werfe ich ihnen vor? 

 

A: „Sie behaupten“, „sie werden nicht müde“, Sie, sie, sie…. 

 

B: Solange das Leiden, der Schmerz und das Sterben auf hoher See unvermindert weitergehen, solange die Behörden der europäischen Nationen, wenig überzeugend, um Plätze für eine Hand voll Menschen ringt – 150 zu 500.000.000, so lange muss es Herr und Frau Europäerin wohl aushalten, wenn an ihrem ach so empfindsamen Wesen gekratzt wird.

 

A: Sie lenken ab

 

B: Ich lenke hin! Verstehen sie. Ich möchte ihnen vor Augen führen, für was die Europäische Union Blind zu sein scheint. 

Weil sie davor die nicht vorhandene Gefahr in Afghanistan angesprochen haben, haben sie ausgespart, dass die bildungshungrigen Menschen wohl nur solange sicher sind, solange sie den Bildungseinrichtungen in Afghanistan fernbleiben. Dann sind sie vielleicht sicher. Vielleicht 

Sie kommen mir mit Stress am heimischen Arbeitsmarkt, der Ausbildungspflicht, einer verschlafene Integrationsarbeit, die es jetzt unmöglich macht, neue Menschen zu integrieren. Mangel an leistbaren Wohnungen, …und, und, und…

Bedeutet mir verkürzt: Weil bei uns das System krankt, können wir die Menschen in den möglichen Tod schicken und die Menschen auf den Booten, sich selbst überlassen. 

 

A: Davon redet, beziehungsweise schreibt auch niemand –

 

B: und deswegen passiert es doch. 46, glaub ich… - 

 

A: 14

 

B: Was 14?

 

A: 14 afghanische Jungs

 

B: 46 bildungshungrige afghanische Menschen. Tot.

 

A: Ja…

 

B: In einem Land, wo Bomben Bildungseinrichtungen zerstören, wo Lehrlinge und Studierende getötet werden und dieses Land, nebenbei erwähnt, von der österreichischen Regierung als quasi <sicher> eingestuft wurde…

 

A: …soll man keine Menschen bringen. 

 

B: Soll man nicht. Darf man nicht. Es geht um Menschen, die man nicht bewusst in Gefahr bringen darf. Verstehen sie…?

 

A: Sicher! Verstehe ich sie. So viel sicher, bei so viel Unsicherheit, habe ich aber auch am Schirm. Verstehen sie?

 

B: Wann waren sie das letzte Mal in einem Gebetshaus, würde mich jetzt glatt interessieren?

 

 

A: Geschickt eingefädelt… aber lenken sie jetzt bitte nicht ab. 

 

B: Also wann jetzt? 

 

A: Mir kommt es gerade so vor, seitdem sie selbstständig denken und nun auch keinen Genierer haben, dies auch mündlich zum Besten zu geben, schießen sie sich auf meinen Intellekt ein. Stellen ihn immer öfters in Frage. 

Gehört sich das? Und jetzt die Religion.

 

B: Waren sie eigentlich schon einmal in einer Moschee?

 

A: Nein! Gewollt oder ungewollt - weiß man bei ihnen jetzt ja nicht mehr, haben sie unser Gespräch dahin gelenkt, wo ich es haben wollte. Stichwort „Moschee“, Stichwort „Islamismus“.

War der Mensch in der falschen Moschee, folgt der Stich aufs Wort. Verstehen sie, wo ich hin möchte?

 

B: Ich weiß nicht genau wohin sie wollen. Wohl aber, wohin sie nicht wollen. 

 

A: Wäre ?

 

B: Na in diese Moschee. Genauer genommen, in diese falsche Moschee. Stichhaltiger hätte man diesen Nicht-Besuch, nicht ausführen können. 

 

A: Ihnen scheint nicht wohl zu sein, wenn ich mit ihnen Fragen der heimischen Sicherheit erörtere? 

 

B: Ja dann sagen sie mir: wie sicher ist Afghanistan? Sie sagen ja selber, Dahoam is Dahoam. Und die Buam, sind jetzt ja Dahoam. Wie sicher sind die Menschen in Afghanistan? Na?

 

A: Sie verdrehen mir das Wort im Mund. Ich mein…

 

B: …ich sag ihnen was sie meinen. Sie sind es ja gewohnt, dass man ihnen sagt, was sie zu meinen haben. Sie meinen, glauben zu dürfen, dass in Tirol die Sicherheit der Bevölkerung – der heimischen Bevölkerung, gefährdet wird, während und weil junge Menschen eine Ausbildung anstreben. Sie sagen Quasi: Montag bis Donnerstag wird von ihnen gepflegt, gefeilt, gekocht und gemäht und Freitag, wird in den Moscheen an Messern geschliffen und an Bomben gebastelt 

 

A: Gut, sie wollen mich nicht verstehen. Ganz hingegen ich, ich versuche sie zu verstehen. Verstehen sie! Bis jetzt blieb unerwähnt, dass es sich auch meist um straffällig gewordene Menschen handelt, die die Heimreise antreten mussten und müssen und deswegen der Rechtsstaat handeln muss.

 

B: Ok. Ich resümiere. Eigentumsdelikte, Verstöße gegen das SMG, Schwarzfahren. Mit einem Wort: Kapitalverbrechen. 

Ergo Todesstrafe! Ich verstehe.

 

A: Ihr Verstehen, fußt einem radikalen Unverständnis, für jegliche Entscheidungen, die die österreichische Bundesregierung auf den Weg gebracht hat und bestimmt noch bringen wird, um Menschen außer Landes zu bringen, welche gegen österreichische Gesetze verstoßen haben. 

 

B: Kurz hatte ich das Gefühl, unser Gespräch steuert einem Konsens zu. Konsens, über grundlegende Schutzbestimmungen, die primär den Menschen ins Zentrum rückt.  

 

A: Weil sie, wie ich annehmen darf, die allgemeine Erklärung der Menschenrechte ansprechen, muss ich ihnen entgegnen - auch wenn ich sie für mich persönlich ratifiziert habe, dass Menschen eben mit Menschen interagieren – es dabei zu Verstößen jeglicher Art kommen kann und deswegen auch der einzelne Mensch vor dem Menschen geschützt werden muss.

 

B: Sie sagen, die österreichische Judikatur schützt Susi und Fritz Österreicher, vor Ahmed, Maryam und ihre kleine Tochter, weil Sie was gemacht haben? 

Ich frage sie: Wer wird nun Ahmed und seine Familie, vor den Menschen in ihrem Herkunftsland schützen, das sie verlassen mussten, weil ihnen auf Grund ihrer Ethnie nach dem Leben getrachtet wurde? 

Die afghanischen Behörden? Al-Kaida? 

Die österreichische Bundesregierung?

 

A: Geht es nach ihrer neu gelebten „Gutmenschenideologie“, sollten wir jeden Menschen individuell vor Gefahren schützen und ihr oder ihm, oder ihr und ihm, ein Heim bieten. Das ist es, was sie wollen, scheint mir. 

 

B: Exakt! Endlich! War eine schwere Geburt 

 

Artikel 3 (Recht auf Leben und Freiheit) 

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“

(Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (A/RES/217, UN-Doc. 217/A-(III))

 

©hristof/im Gespräch 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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